Innovationen ausleben
6. Symposium der FUNUS Stiftung zur Entwicklung der Friedhöfe


Dienstag, den 21. Juni 2016

„Friedhöfe – Alles kann, nichts muss!“ unter diesem Motto organisierte die FUNUS Stiftung bereits zum sechsten Mal ein Symposium zur Bestattungskultur. Im Fokus der (ausverkauften) Fachtagung, zu der sich im KUBUS des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ zahlreiche Branchenvertreter und Wissenschaftler versammelten, stand die Entwicklung von Friedhöfen.

„Da sich Deutschland aus verschiedenen Gründen noch immer schwer mit dem Thema Bestattungskultur tut, möchten wir auf dem Symposium unterschiedliche Perspektiven aufzeigen, die dem Entwicklungsprozess neue Impulse verleihen“, beschreibt Frank Pasic, stellvertretender FUNUS-Vorsitzender, das Ziel der Veranstaltung. Dabei ging es weniger um kühne Visionen, als vielmehr um gelungene Praxisbeispiele. Die Referenten aus dem gesamten Bundesgebiet zeigten auf eindrucksvolle Weise, wie facettenreich die Bestattungskultur hierzulande bereits ist.

Den Anfang machte Judith Könsgen von der Deutschen Friedhofsgesellschaft mbH. Der familiengeführte Friedhofsverwalter betreibt unter dem Namen „Unser Hafen“ die ersten beiden Friedhöfe des Landes, die gemeinsame Mensch-Tier-Bestattungen ermöglichen. Vor gut einem Jahr eröffnete in Braubach die erste Einrichtung, gefolgt von einer weiteren in Essen. Die große, gesellschaftliche Akzeptanz der Anlagen, die sich sowohl in der hohen Anzahl an Nachfragen als auch im sehr positiven Medienecho widerspiegelt, führte Judith Könsgen auf eine einfache Formel zurück: „Die Mensch-Tier-Friedhöfe sind räumlich strikt von den konventionellen Einrichtungen getrennt, sodass Konflikte von vornherein vermieden werden.“

Jürgen Quandt, vom Evangelischen Friedhofsverband Berlin Stadtmitte, erläuterte anschließend, mit welchen Konzepten nicht mehr benötigte Friedhofsflächen in der Hauptstadt neu belebt werden. Im Blickpunkt stehen dabei, neben ehemaligen Grabflächen, die zum Teil in Bauland umgewandelt werden, vor allem die zahlreichen Friedhofsgebäude. So beherbergen alte Kapellen mittlerweile Dauerausstellungen, Kunstinstallationen oder Friedhofscafés. Stillgelegte Wirtschaftsgebäude dienen inzwischen als Gewerbe- und Wohnräume sowie Wohn-, Schulungs- und Ausbildungsstätte für Flüchtlinge.

Ebenfalls aus Berlin kamen die Referentinnen Ute Greiling und Usah Zachau. Unter dem Dach der SAPPhO-Stiftung eröffneten sie im April 2014 mit weiteren Mitstreiterinnen die erste Gemeinschaftsbestattungsfläche von und für Lesben. Hinter dem Projekt steht das soziale Netzwerk SAFIA (Selbsthilfe alleinlebender Frauen im Alter), das sich an Lesben ab 40 Jahren richtet. Ziel der Vereinsschwestern ist es, den Gemeinschaftsgedanken über den Tod hinaus aufrechtzuerhalten, aber auch die lesbische Kultur in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Die 400 m² große Bestattungsfläche befindet sich auf dem Georgen-Parochial-Friedhof im Stadtteil Prenzlauerberg.

Einen Einblick in die Traditionen und Riten der islamischen Bestattungskultur gewährte Dr. Mohammad Dawood Majoka, Vorstandsmitglied der Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ). Die muslimische Vereinigung ist aufgrund ihrer langjährigen Verwurzelung in Deutschland in den Bundesländern Hessen und Hamburg seit 2013 als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird der Rechtsstatus, den auch viele christliche Kirchen sowie die Jüdische Gemeinde innehaben, ebenfalls angestrebt. Auf dieser Grundlage darf die AMJ als bisher einzige muslimische Gemeinde in Deutschland eigene Friedhöfe betreiben.

Den gemeinhin etwas trockenen Themen der Gesetzgebung und Rechtsprechung widmete sich Prof. Dr. Dr. Tade Matthias Spranger. Der Rechtswissenschaftler der Universität Bonn erörterte unterhaltsam wie verständlich aktuelle Entwicklungen und Urteile zu Fragen des Friedhofsrechts, wie einen Antrag der Piraten-Partei zur Aufhebung des Friedhofszwangs, den Genehmigungsstand von Bestattungswäldern in Thüringen oder die umstrittene Entscheidung des Bundessozialgerichts Grabpflegekosten nicht als Bestattungskosten anzuerkennen.

Einen Blick über den nationalen Tellerrand hinaus ermöglichten abschließend Andreas Kals (Leiter des Wiener Zentralfriedhofs) und Manfred Blöch (Geschäftsführer der Friedhöfe Wien GmbH) am Beispiel der österreichischen Hauptstadt Wien. Die Millionen-Metropole besitzt 46 interkonfessionelle Friedhöfe samt 550.000 Gräbern. Knapp die Hälfte davon entfällt auf den Zentralfriedhof. Dieser ist nicht nur der flächenmäßig zweitgrößte sondern bestattungskulturell wahrscheinlich vielfältigste Friedhof Europas. Andreas Kals fasst den Kerngedanken des Symposiums mit einem treffenden Abschlusskommentar zusammen: „Nehmen wir uns den Mut Innovationen auszuleben.“


FUNUS Stiftung
Die FUNUS Stiftung mit Sitz in Halle (Saale) arbeitet dafür, die Bestattung als Kernelement der Menschenwürde zu fördern und ihre Bedeutung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Dafür unterstützen und initiieren wir künstlerische, kulturelle und wissenschaftliche Projekte, die sich mit Bestattung und Tod auseinander setzen. Sowohl die drunter&drüber - Das Magazin für Endlichkeitskultur, als auch die Begegnungsstätte DER TOTE WINKEL (Reilstraße 120 in Halle (Saale)), tragen dazu bei, den Tod besprechbar zu machen.


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