Lass Leopold dich nicht begraben …


Dienstag, den 14. Oktober 2014

Fürst Leopold

Johann Sebastian Bach

Die Köthener Trauermusik ist die weltliche Urfassung der berühmten Matthäus-Passion und auf diese Weise eine 90-minütige großangelegte Kantate, die nicht nur die zeitlosen Themen Tod, Verlust und ewiges Leben thematisiert, sondern auch eines der wohl bedeutendsten Beispiele barocker Sepulkralkultur darstellt. Aus diesem Grund unterstützt, die FUNUS Stiftung dieses Projekt mit einem Betrag in vierstelliger Höhe und ist erfreut, damit etwas zum Erhalt trauerkultureller Musik beizutragen.

"Einen gnädigen und Music so wohl liebenden als kennenden Fürsten" nannte Johann Sebastian Bach seinen Dienstherren Fürst Leopold. Dieser wiederum schätzte seinen Kapellmeister ebenso und stand für seinen Sohn Leopold August Pate. Sechs Jahre lang, von 1717 bis 1723, weilte Bach in Köthen und auch danach blieben er und Fürst Leopold einander verbunden, bis dieser 1728 starb. Nach der Beisetzung Leopolds am 3. März 1729 in der Fürstengruft der St. Jakobskirche zu Köthen führte Bach seine vierteilige Trauerkantate Klagt Kinder, klagt auf, die später als Köthener Trauermusik bekannt wurde. Damit wurde der Gedächtnisgottesdienst für seinen früheren Dienstherren umrahmt.

Wie auch alle anderen Mitglieder des Fürstenhauses wurde Leopold in einer der Seitengrüfte der Stadtkirche beigesetzt. Im Gegensatz zu früheren Beisetzungen geschah dies allerdings nicht in einem prunkvollen Sarkophag sondern in einem einfachen Holzmodell, das mit Leinentuch umspannt war. Man geht davon aus, dass dies eine Reaktion, ein Wunsch des Fürsten war, der den innerfamiliären Konflikten zwischen ihm und seiner Mutter und seinem Bruder geschuldet war.

Die Trauermusik gliedert sich in vier Teile:  Die Landestrauer, das Scheiden des Fürsten und die Erlösung seiner Seele, das Gedenken der Hinterbliebenen und der Abschied, die ewige Ruhe.

  1. Die Landestrauer:  "Oh Land! Bestürztes Land! Wo ist dergleichen Pein, wie deine Not bekannt?"
  2. Das Scheiden des Fürsten: "Betrübter Anblick, voll Erschrecken, soll denn sobald die Gruft den Leib bedecken. Der Tod ist da, die Stunde schlägt, das End ist nah. Mein Gott, wie kommt mir das so bitter für. Ach! Warum eilest du mit mir!" (Der Fürst sieht seine letzte Stunde nahen)
  3. Gedenken der Hinterbliebenen: "Geh Leopold, zu deiner Ruhe und schlummre nur ein wenig ein. Unsre Ruh, so sonst niemand, außer du, wird nun zugleich mit dir begraben. Der Geist soll sich im Himmel laben und königlich am Glanze sein."
  4. Der Abschied: "Bleibet nur in eurer Ruh, ihr erblassten Fürsten-Glieder; doch verwandelt nach der Zeit unser Leid in vergnügte Freude wieder; schließt uns auch die Tränen zu."

Am 26. September 2014 wurde das Werk, das zu Teilen aus den schönsten Arien und Chören der gleichzeitig komponierten Matthäus-Passion besteht, in der Jakobskirche Köthen aufgeführt. Die  Besucher erwartete die rekonstruierte Version der Köthener Trauermusik für Fürst Leopold, "den Verwegenen". Der Cembalist, Improvisator und Musikforscher Alexander Ferdinand Grychtolik, der sich mit seinem 2008 gegründeten Ensemble Deutsche Hofmusik musikalischen Zeugnissen barocker Residenzkultur widmet, hat die Trauermusik aufgearbeitet. Neben dem Bachchor Köthen rezitierten Gudrun Sidonie Otto, Maarten Engeltjes, Hans Jörg Mammel und Daniel Ochoa.

Das Werk wurde unter Grychtoliks Leitung als CD-Aufnahme eingespielt und wird damit der Allgemeinheit auch langfristig wieder zugänglich gemacht. Die CD erscheint 2015. Zum Totensonntag 2014 gibt es im Deutschlandfunk ab 20:03 Uhr einen Mitschnitt zu hören.

Die FUNUS Stiftung unterstützt dieses Projekt mit einem Betrag in vierstelliger Höhe und ist erfreut, damit etwas zum Erhalt trauerkultureller Musik beizutragen. 


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