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Beitrag aus "Friedhofskultur" - Ausgabe 02/2012
Zweites Symposium in Halle: Schwerpunkt Naturbestattung

Die Funus Stiftung, Halle, und der Mitteldeutsche Feuerbestattungsverein unter Vorsitz von Heinz Knoche hatten Anfang November in den Räumen des Technischen Halloren- und Salinenmuseums zu einem Symposium geladen, auf dem die sich abzeichnenden Veränderungen im Bestattungswesen eingehend diskutiert wurden.

Knapp hundert Interessierte, vornehmlich Friedhofsverwalter, Bestattungsunternehmer, Krematoriumsbetreiber und Friedhofsgärtner, waren der Einladung zu diesem Symposium gefolgt, dessen Organisation in den Händen von Frank Pasic, dem Geschäftsführer der Gütegemeinschaft Flamarium, lag. Dieses Symposium knüpfte an eine Zusammenkunft im Jahre 2000 an. Die zum Teil sehr prominenten Referenten zeigten auf, wie sehr sich die Landschaft im Bereich des Bestattungswesens innerhalb der vergangenen elf Jahre verändert hat. Einige Bereiche, die vorher noch ausschließlich hoheitlich betrieben wurden, sind inzwischen privatisiert worden – Krematorien und sogar Friedhöfe. Die Privatisierung ist noch lange nicht an ihre Grenzen gestoßen. Das gesetzliche Sterbegeld wurde von den Regierenden gestrichen, wodurch für zahlreiche Bürger erhebliche Probleme entstanden. Viele Friedhofsverwalter haben mittlerweile erkannt, dass sie sich den abzeichnenden gesellschaftlichen Veränderungen stellen müssen. Inzwischen besteht bei den Bürgern immer mehr der Wunsch nach Individualität, auch im Bestattungsbereich. So erleben Naturbestattungen in den verschiedensten Formen einen starken Zulauf.

Der Hamburger Kulturhistoriker Prof. Dr. Norbert Fischer beleuchtete die historische Entwicklung der Feuerbestattung und verwies auf die wachsende Akzeptanz der Feuerbestattung auch speziell in katholisch geprägten Regionen. Nach dem II. Vaticanum setzt sich auch im Bereich der katholischen Kirche diese Akzeptanz immer mehr durch. Unter gewissen Postulaten verschließt sich sogar die römisch-katholische Kirche nicht mehr der Beisetzung der Urnen in der Natur.

Evangelische Geistliche haben weniger Berührungsängste mit den vermehrt an sie herangetragenen Wünschen nach Beisetzungen in der Natur in den verschiedensten Formen. So bietet das Schweizer Unternehmen "Die Letzte Ruhe GmbH" des Unternehmers Beat Rölli aus Derendingen sogar Beisetzungen nicht nur auf Almwiesen, sondern auch Ascheverstreuungen vom Helikopter und vom Ballon aus über Naturschutzgebieten der Schweiz.

Dr. Rolf-Peter Lange vom Verband Deutscher Bestattungsunternehmer (VDB) sprach sich dafür aus, dass der Friedhofszwang fallen müsse. Lange ist zwar nicht das Sprachrohr der gesamten Bestattergilde, steht aber einer kleineren Anzahl von Bestattungsunternehmen vorsteht, die alle eine erhebliche Zahl von Bestattungen abwickeln. So rief Lange heftige Reaktionen des fachkundigen Auditoriums hervor.

Uwe Brinkmann vom Verband der Friedhofsverwalter Deutschland e.V. (VDF) widersprach den provokanten Thesen Dr. Langes aufs Heftigste. Auch die Friedhöfe sehen sich einer sich veränderten Landschaft gegenüber. Aber das Gebot der Stunde heiße für die Friedhöfe, angemessen zu reagieren, nicht jedem modischen Trend sofort zu folgen und vor allem "nicht das Kind mit dem Bade ausschütten". Noch seien unsere Friedhöfe zugleich auch Kulturstätte oft von hohem Rang. Brinkmann führte unter lang anhaltendem Beifall aus, dass auch in Zukunft Friedhöfe tradierte und unverzichtbare Kernstücke der Erinnerungskultur für den Bürger in Deutschland seien.

Mit Beifall wurde auch das Koreferat von Dr. Karl-Heinz Kerstjens vom Essener Gartenbauzentrum bedacht. Auch wenn sich manches geändert habe, sieht Kerstjens für seine Klientel gute Chancen, sich auch in Zukunft zu behaupten und mit neuen Ideen Friedhöfe und Grabstätten unverwechselbar zu machen und ihnen den Stempel der Individualität aufzudrücken, der von den Bürgern gerne akzeptiert werde.

Wie konträr hier die Ansichten auf diesem Symposium waren, zeigte der dann folgende Sachvortrag von Dr. Hans-Adam von Schultzendorff. Der promovierte Forstwissenschaftler ist heute für den Marktführer der Naturbestatter, die FriedWald GmbH, tätig. Wurde noch vor elf Jahren, auf dem ersten Symposium in Halle, von Schultzendorff nachsichtig mit seiner Idee vom FriedWald belächelt, so kommt heute niemand mehr um FriedWald herum. FriedWald hat das Terrain der Friedhofskultur nachhaltig verändert, schon über 24.000 Beisetzungen durchgeführt. Inzwischen gibt es Mitbewerber, beispielsweise Ruheforst sowie zahlreiche private Forste, es gibt sogar Bestattungsunternehmen, beispielsweise die Firma Bläsche in Bad Ems, die einen eigenen Beisetzungswald betreiben. All diese Beispiele zeigen deutlich, wohin die Reise geht.

Eine gänzlich andere Art von Beisetzungen der Asche stellte Frank Ripka in Vertretung des erkrankten Jörg Peinemann vor. Algordanza, im Schweizerischen Domat zu Hause, transformiert in einem technisch sehr aufwendigen Verfahren Asche zu Erinnerungsdiamanten und betreibt zugleich einen Privatfriedhof in der Schweizerischen Gemeinde Poschiavo unter dem Namen Pax Montana. Diese Art der Beisetzung ist sehr elitär. Die beiden großen christlichen Religionsgemeinschaften haben Probleme mit diesen Angeboten. Schon aus finanziellen Aspekten bleibt diese Art der Beisetzung durch Transformation zu einem Diamanten nur einem kleineren Kundenkreis vorbehalten.

Aus Sicht der Kirche

Die Sicht der Kirchen in Bezug auf die sich verändernde Bestattungskultur stellte der evangelische Pastor Dr. Andreas Finke aus Berlin dem Auditorium vor. Wie kaum in einem anderen Beruf spürt – quasi wie ein Seismograf – der Kirchenmann die gesellschaftlichen Veränderungen fast täglich. Das Wegbrechen der Familienstrukturen verändert zwangsläufig auch die Bestattungskultur. Da, wo Grabpflege fast zur Last wird, steht man dem Hang zu Naturbestattungen offener gegenüber. Viele Friedhofsverwalter haben das bereits erkannt und stellen Flächen zur Verfügung, auf denen Gräber nicht mehr gepflegt werden müssen, aber Angehörige im Bedarfsfall eine Anlaufstelle haben.

Bruderschaft der Salzwirker

Michael Kriebel vom gastgebenden Mitteldeutschen Feuerbestattungsverein Halle e.V., der zugleich in Personalunion Hausherr des Tagungsortes Salinenmuseum ist, konnte seinen Part an dem Symposium sehr praktisch gestalten, indem er die Anwesenden durch das Salinenmuseum führte. In diesem Museum hat auch die Bruderschaft der Salzwirker ihr Domizil. In schwarze Uniformen mit blanken silbernen Knöpfen gewandet, behütet mit einem Dreispitz, begleitet die Bruderschaft noch heute nach alter Tradition verstorbene Hallenser Bürger auf deren letztem Weg.

Eltern, die ein Kind verloren haben, geraten oft in schwierige psychische Ausnahmesituationen. Diesen Eltern steht der Bundesverband Verwaister Eltern aus Leipzig bei. Petra Hohn, die Vorsitzende, wies die anwesenden Bestattungsunternehmer auf die Arbeit ihres Verbandes hin. Auch diese Arbeit wird als Teil der Bestattungskultur empfunden.

Die Verbandsmitglieder haben sich zur Aufgabe gemacht, den betroffenen Mitbürgern helfend zur Seite zu stehen, damit diese aus der emotionalen Ausnahmesituation her ausfinden. Auch Eltern, die eine Tot- oder Fehlgeburt verarbeiten müssen, bietet dieser Verband Hilfe an. Inzwischen nehmen sich auch viele Friedhofsverwalter dieses Themas an und richten auf ihren Friedhöfen besondere Bereiche für diese Schicksalsgruppen ein. Das Referat von Petra Hohn endete mit dem nachdrücklichen Hinweis: "Verwaiste Eltern brauchen einen Platz für ihre Trauer".

Es gibt große Wissenslücken und ein erhebliches Informationsdefizit bei den Ordnungsämtern, wenn es um die Bestattung geht, die die Ordnungsämter zu veranlassen hätten, konstatierte der renommierte Privatdozent Dr. Dr. Tade Matthias Spranger von der Uni Bonn. Spranger wies darauf hin, dass es im Widerspruch zu unserer Verfassung stehe, Ordnungsamtsbestattungen nur unter dem Gesichtspunkt "billig, billig, billig" abwickeln zu wollen. Auch dieser Personenkreis habe Anspruch auf eine postmortale Würde.

Spranger, der auch mit einem viel beachteten Kommentar zum Bestattungsgesetz von Nordrhein-Westfalen in Erscheinung getreten ist, postulierte, dass es rechtlich in keinem Fall vertretbar sei, dass Bestattungen, die das Ordnungsamt ausrichte, ausschließlich unter dem Gesichtspunkt "die preiswerteste Bestattung" betrachtet würden. Auch diese Mitbürger hätten einen Anspruch auf ein Leichenhemd, eine Sargdecke und auf eine angemessene Abschiedszeremonie. "Alles andere", so Dr. Dr. Spranger, "läuft auf Diskriminierung hinaus, und die sei in der Bundesrepublik glücklicherweise verboten." Im Schlussvortrag zeigte sich der Vorsitzende der Funus Stiftung, Heinz Knoche, davon überzeugt, dass die Bestattungskultur auch künftig ein hohes Gut in unserem Lande ist. Sie auf einem würdevollen Niveau zu halten, sei eine der vornehmsten Aufgaben der Funus Stiftung.

(Quelle: "Friedhofskultur" - Ausgabe 02/2012 - Autor: Michael Paul Pludra, Frankfurt/M.)

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