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Buchtipp: Zeitregime des Bestattens

Welchen Einfluss hat die Zeit auf die Bestattungskultur? Ekkehard Coenen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mediensoziologie der Bauhaus-Universität-Weimar und hat sich in seiner Dissertation genau mit dieser Frage beschäftigt. In dem in diesem Jahr erschienen Buch betrachtet er die verschiedenen Zeitrechnungen der Gewerbe rund um den Tod und stellt die These auf, dass die Individualisierungstendenzen innerhalb dieser Zeitvorgaben nicht vollends möglich sind. Sowohl verwaltungstechnische, als auch tradierte und vor allem biologische Mechanismen geben den Takt einer Bestattung vor.

„Die Autonomie der Trauer ist ein Mythos des spätmodernen Bestattungswesens“ schreibt er am Ende seiner Abhandlung, denn die Angehörigen und Freunde müssen sich nach den Regeln der „Todesdienstleister“ zu richten. Aus diesem Grund hält der Autor es für fragwürdig, ob tatsächlich eine Individualisierung der Bestattungskultur stattfindet. Die Gebundenheit des Angehörigen an das Zeitregime des Bestatters verhindert seiner Ansicht nach, die individuelle Trauer. Auch wenn das Buch sehr wissenschaftlich gehalten ist, sind die Ansätze interessant und wie es der Autor im Vorwort sagt: Das soziologische Denken kann Verfestigtes auflösen.

Ekkehard Coenen. Zeitregime des Bestattens – Thanato-, kultur- und arbeitssoziologische Beobachtungen. BELTZ 2020. 49,95 Euro

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