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Montagsinterview: Der Tod

Der geheime Mensch unter der Kutte gibt seit Jahren dem Tod kein Gesicht, aber ein Stimme. Das aktuelle Programm und weitere Informationen sind auf der Webseite zur Death Comedy zu finden.


Was haben Sie mit dem Tod zu tun?

Schöne Einstiegsfrage für jemanden, der seit 9 Jahren mit Kutte und Sense rumläuft. Im Ernst: ich habe 2011 das Genre Death Comedy „ins Leben gerufen“ und stehe seitdem als Sensenmann auf fast allen deutschsprachigen Bühnen, um mit dem Publikum dem Tod entgegenzulachen. Da ich nur unter dem Pseudonym „Der Tod“ auftrete, hat der Schnitter also sozusagen auch meine Identität gekillt. Ein echter Profi eben.


Wie sind Sie zu diesem Thema gekommen?

Ich bin eigentlich gar nicht selbst  zu dem Thema gekommen, sondern der Tod hat mir in meinem Kopf einen Besuch abgestattet…mit einem Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. Im Nachhinein bin ich froh, dass es nicht Mephisto oder Christian Lindner waren.  Aber ehrlich: wenn man sich in der Comedy- und Kabarett-Landschaft mal anschaut, wie viele Programme es über Beziehungsprobleme, Verspätungen bei der Bahn oder Samstags-Erfahrungen bei IKEA gibt, dann war es eigentlich höchst überfällig, dass sich auch mal endlich jemand konsequent dem Thema Tod widmet.


Was macht der Tod mit Ihrem Leben?

Er finanziert es. Das ist aber auch das Mindeste, wenn ich dafür fast das ganze Jahr auf Image-Kampagne für ihn gehen muss. Ich fühl mich manchmal schon wie die Jenseits-Tourismus-Behörde.


Was denken Sie über unser Verhältnis zum Tod?

Unser Beziehungsstatus ist sicherlich kompliziert. Gerade die westliche Welt ist durch die frühere kirchliche Erziehung so in Angst und Trauer gefangen, dass sie manchmal vergisst zu feiern, dass man überhaupt dabei sein durfte und gemeinsam Zeit verbringen konnte. Das ist in anderen Kulturkreisen völlig normal. Wie die andere Seite der Medaille. Ich spüre aber bei meinen Shows, dass es tatsächlich auch in diesen Breitengraden ein großes Bedürfnis gibt mit dem Thema anders umzugehen.  Wir arbeiten also dran. Aber es braucht Zeit, wie vieles.


Haben Sie einen Rat an die Menschen, wie sie dem Tod begegnen könnten?

Natürlich ist das individuell verschieden und Humor ist nicht für jeden der richtige Umgang mit dem Lebensende. Ich persönlich lache aber Dingen, die eh unausweichlich sind, immer lieber entgegen, statt ohne Aussicht auf Erfolg davonzulaufen.  Aber ich bin auch einfach kein guter Läufer…
 

Eingangsfoto: Anja Pankotsch

 


#mehrtodimleben

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